Die Apostelkirche

Einiges aus der jahrhundertealten Geschichte

Ölgemälde von H. Beck: Der 1944 zerstörte Kirchplatz an der Westwand der Kirche (Foto: Stadtarchiv) Ölgemälde von H. Beck: Der 1944 zerstörte Kirchplatz an der Westwand der Kirche (Foto: Stadtarchiv)

Einem aufmerksamen Beobachter entgeht nicht, dass diese Kirche viel älter ist als sie auf den ersten Blick scheint, denn das bezeugt ihr Turm und auch die alte Bausubstanz in den Außenmauern.

Tatsächlich gab es hier schon Anfang des 13. J'h. eine steinerne Kirche, die St. Pankratius-Kirche genannt wurde. Nur wenige Steine des Turmes sind noch aus dieser Zeit, denn im 16. Jh. zerstörte ein Brand die alte Kirche völlig. Bis zur Reformation war St. Pankratius eine katholische Kirche. Mit Einführung der Reformation 1528 begannen die Verhältnisse sich ständig zu ändern, denn die jetzt evangelischen Teile der Bevölkerung hielten in ihr ihre Gottesdienste nach der neuen Ordnung. Erst 1655 wurde das Nutzungsverhältnis geregelt: St. Pankratius, zur Simultankirche ernannt, in der jetzt beide Konfessionen bis 1890 ihre Gottesdienste, ihren Konfessionen entsprechend, feierten. Als das neue Gotteshaus 1891 für die katholische Bevölkerung "Unter den Ulmen" fertig gestellt war, nahmen die Katholischen einige Ausstattungsstücke und den Namen mit. Trotz der inzwischen entstandenen "Neuen Kirche" - der heutigen Martin-Luther-Kirche - brauchten die Evangelischen die alte Kirche für ihre Gottesdienstbesucher und die Ev. Kirchengemeinde kauftesie 1887 von der katholischen. Sie wurde dann als evangelische Kirche auf den Namen "Apostelkirche" geweiht.

Viel Leid hat der Zweite Weltkrieg gebracht. Für die Gütersloher war der "schwärzeste Tag"  dieser Zeit der 26.11.1944, als ihr Wahrzeichen nach einem Bombenangriff in Trümmern lag. Im Protokoll einer Sitzung des Presbyteriums vom 25.06.1946 wurde festgestellt, dass "die Gemeinde die Apostelkirche ungemein lieb habe",  weshalb sie aus den Trümmern neu unter großen Anstrengungen der damaligen Bevölkerung entstand. Ohne dieses von Vielen mitgetragene Engagement wäre "dieses städtebauliche Herzstück"  nicht verwirklicht worden (Prof. Werner March, ihr Architekt, 1951).

Kein Wunder, dass die Gütersloher - gleich welcher Konfession - an dieser Kirche hängen und noch heute bereit sind, dafür mit ihren Mitteln einzutreten, dass sie auch in Zukunft "ein Kleinod für alle Gütersloher" bleibt. (Brief der Ev. Kirchengemeinde vom 5.9.1951) 

Im Winter 2008 mit Weihnachtsbaum Foto: Chr. Feuerbaum Im Winter 2008 mit Weihnachtsbaum Foto: Chr. Feuerbaum

 So steht auch heute noch die Apostelkirche inmitten des Kirchrings, "Güterslohs guterStube".

 Das Spannungsverhältnis von altem Turm zum neuen Schiff fällt von außen besonders auf.

 Der Grund hierfür ist auf einem Ölgemälde - einer Dauerleihgabe des Heimatvereins Gütersloh -

von Heinz Beck (1900-1981) zu sehen, das an die oben erwähnte Zerstörung bei dem Luftangriff am 26.11.1944  erinnert, bei dem in der als Luftschutzraum eingerichteten Turmhalle auch noch 19 Tote zu beklagen waren.

Zwar sprachen sich Gemeinde und Bürgerschaft  schnell für einen Wiederaufbau aus,

 aber durch vielerlei Engpässe der Nachkriegszeit konnte die Grundsteinlegung erst 1951 und die Einweihung der wiederaufgebauten Kirche jedoch bereits am 1. Advent 1952 feierlich begangen werden.

 Die heutige Kirche ist nach Entwürfen von Prof. Werner March (1894-1976) gebaut worden,

 der sich für eine spitzbogig-tonnengewölbte Saalkirche aus Stahlbeton,

  entschied, in deren Außenbau möglichst viel Material der zerstörten Kirche verbaut wurde.

 Sie sollte nach dem Wunsch der Gemeinde eine "intimere" kleine Kirche (ca. 300 Sitzplätze stat vorher ca. 800) als Ergänzung zur benachbarten großen Martin-Luther-Kirche sein.

Foto: Felchner Foto: Felchner

 

Das Kirchenschiff mit seinen die Seiten flankierenden hohen, spitzbogig bleiverglasten Fenstern, durch die viel Licht in die Kirche einfällt, führt eindeutig auf den Altarbereich hin. Hier fällt das schlichte Großkreuz auf, das die Auferstehung Jesu Christi symbolisiert, was  die 6 Tafeln in Alabasterstuck von Heinrich G. Bücker (1922-2008),  rechts und links angebracht, als Deutung des Heilsgeschehens vertiefen. Die auf dem Altartisch stehenden silbernen Altarleuchter - eigentlich zur Originalausstattung der Martin-Luther-Kirche gehörend - sind ein Geschenk des preußischen Königshauses von 1861.

(Angaben zur auf der Staffelei stehenden Bücker-Bibel und dem Abendmahlsrelief darüber sind im "Rundgang", der in der Kirche ausliegt, zu finden.)

Foto: Felchner Foto: Felchner

Die Ausstattung der kleinen Taufkapelle, die vom Schiff durch eine spitzbogige Öffnung abgegrenzt ist, wurde von der Familie Fritz Niemöller gestiftet. In ihr sind 4 Ecksäulen, aus der zerstörten Kirche gerettet,mit ihren  spätromanischen Blattkapitellen eingebaut. Sie sind Zeugnisse aus der ältesten Kirche aus dem 13. Jahrhundert. An der Rückwand hängt ein Behang von Sabine Bretschneider, der die Taufe mit Wasser und Geist thematisiert. Der Taufstein, nach Vorgaben von Prof. W. March aus dem alten achteckigen der zerstörten Kirche vom heimischen Bildhauer Wolfgang Schmitz gestaltet, hat eine bemerkenswerte Taufschale: In ihr ist die Taufe Christi unter Assitenz zweier Engel dargestellt und hat den umlaufenden Text: Ein Herr - ein Glaube - eine Taufe.

Auf der Orgelempore im Westen befindet sich eine Orgel der Firma Paul Ott aus dem Jahr 1954 mit 2 Manualen, 1 Pedal und 26 Registern.

Viele weitere erwähnenswerte Ausstattungsstücke sind in der Kirche noch zu sehen, die auf dem "Rundgang" (s.o.) beschrieben sind.

Foto: Felchner Foto: Felchner

Jeder Besucher durchquert zunächst die Turmhalle der Kirche, die für die Gütersloher Bevölkerung von besonderer Bedeutung ist. Dort liegt in einer Nische, von 2 großen Kerzenständern flankiert, das Gedächtnisbuch für die Toten des Zweiten Weltkrieges.

Daneben zeigt ein maßstabsgerechtes Modell von Norbert Jebramcik aus Gütersloh den alten Kirchring um 1900 mit der Kirche vor der Zerstörung 1944, ein beredtes Zeugnis Gütersloher Geschichte.

Foto: D. Telschow Foto: D. Telschow

Das Geläut der Kirche besteht aus 5 Glocken, deren älteste, "Pancratius" genannt, aus dem Jahr 1640 stammt und den früheren Namen der Kirche bis 1890 trägt. Die 4 weiteren Glocken wurden 1956 von der Familie Fritz Husemann gestiftet. Das heute leere Turmhäubchen hatte früher eine Bet- später Uhrenglocke, die auch als Sturm- und Feuerglocke verwendet werden konnte.

Foto: Chr. Feuerbaum Foto: Chr. Feuerbaum

Die heutige Rasenfläche an der Südseite der Kirche erinnert daran, dass die Kirche früher von einem Friedhof umgeben war. Die heute dort stehende Skulptur "Glaube, Hoffnung, Liebe" hat der Bildhauer Heiner Ameling geschaffen.

Bilderschau zur Kirche vor der Zerstörung und zur wiederaufgebauten Kirche

 

Einige Bilder aus der wechselvollen, nicht immer einfachen Geschichte der Kirche wollen nicht nur das vorher Geschrieben vertiefen, sondern sie wollen Sieauch  zu einem Besuch anregen, vielleicht sogar einmal den Weg zu einem Gottesdienst oder zu einer der dort angebotenen Veranstaltungen einzuschlagen. Sie sind herzlich willkommen!

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Aquarell von Walter Fleger Aquarell von Walter Fleger

Einige Erläuterungen zur langen Geschichte der Kirche, die von 1655-1887 als Simultaneum von beiden Konfessionen genutzt wurde, sowie Stimmen zur alten und neuen Kirche können Sie in dem "Rundgang" nachlesen. Machen Sie einen Besuch in der Kirche und nehmen Sie dieses Blatt mit oder öffnen Sie die nachfolgend eingegügte Datei:

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